JENNY HOLZER   Truth Before Power        12 I 06 I 04 - 05 I 09 I 2004         
Johanniterkirche
Feldkirch


Xenon-Projektionen in Vorarlberg
         
       
       
               
               
  Die Praktiken der amerikanischen Außenpolitik im Nahen Osten sind das Thema der Ausstellung TRUTH BEFORE POWER, die Jenny Holzer für das Kunsthaus Bregenz konzipiert hat. Die komplexe Dialektik von Entscheidungsfindung und öffentlicher Debatte, wie sie sich während der Amtszeit der Präsidenten Ronald Reagan, George H. W. Bush,William Jefferson Clinton und George W. Bush entwickelt hat,wird in Texten erforscht, die sich mit Fragen wie dem internationalen Waffen- und Erdölhandel, dem »Krieg« gegen den Terrorismus, dem 11. September, FBI und CIA und der Kontrolle des Geheimdienstes durch den Kongress auseinander setzen. Größtenteils wurden die Texte der Installation wörtlich aus amerikanischen Regierungsdokumenten übernommen, einschließlich diplomatischer Telegramme, offizieller Mitteilungen, Briefe und Berichte. Viele waren zum Zeitpunkt ihrer Entstehung »geheime Verschlusssache« oder »streng vertrauliche Dokumente«. Seit der 1966 verabschiedete »Freedom of Information Act« (Gesetz über Informationsfreiheit), ein Meilenstein in der Geschichte, in Kraft ist, sind sie alle veröffentlicht. Einige sind auch heute noch nur in stark zensierter Form einzusehen, was einen Aspekt des Problems beleuchtet, zwischen Transparenz und Geheimhaltung ein Gleichgewicht zu finden.  
               
               
     
Jenny Holzer
Xenon for Bregenz
Lech, Alte Pfarrkirche zum
heiligen Nikolaus in Lech,
Juni 2004
Foto: Attilio Maranzano
© 2004 Jenny Holzer  VBK, Wien
  Jenny Holzer
Xenon for Bregenz
Feldkirch Schattenburg, Juni 2004
Foto: Charles Passarelli
© 2004 Jenny Holzer  VBK, Wien
Jenny Holzer
Xenon for Bregenz
Hohenems Steinbruch, Juni 2004
Foto: Attilio Maranzano
© 2004 Jenny Holzer  VBK, Wien
  Jenny Holzer
Xenon for Bregenz
Vermunt Stausee, Juni 2004
Foto: Attilio Maranzano
© 2004 Jenny Holzer  VBK, Wien
 
               
               
               
       
    Xenon for Paris, 2001
Projektion auf das Panthéon
Text: Erlauf, 1995
Times Square, New York, 1986
Spectacolor- Elektronik - Anzeige
Text: Survival, 1983–85
  Xenon for Berlin, 2001
Projektion auf die Museumshöfe
Text: Mother and
Child, 1990
 
               
  Seit über 25 Jahren präsentiert Jenny Holzer ihre prägnant formulierten Ideen, Argumente und Anliegen im öffentlichen Raum und in internationalen Ausstellungen, auf der Biennale von Venedig, im Reichstag, in den Guggenheim-Museen von New York und Bilbao. Ob als Text auf einem T-Shirt, als Hinweisschild oder als LED-Anzeige – ihr Medium ist immer die Schrift, und die öffentliche Dimension ist ein integraler Bestandteil der Vermittlung ihrer Arbeit. Seit den späten Siebzigerjahren, als sie ihre »Truisms«und »Inflammatory Essays«überall in New York an öffentlichen Gebäuden plakatierte, bis zu den heutigen Xenon-Projektionen auf die Fassaden
bekannter Bauwerke setzt sie der Welt der Ignoranz und Gewalt mit ihren Texten und Praktiken Humor, Güte und moralische Courage entgegen. Jenny Holzer lebt und arbeitet in Hoosick, NY.
 
               
Installation for
Neue Nationalgalerie,
2000
Texte aus Truisms, Inflammatory Essays, Living, Survival, Under a Rock, Laments, Mother and Child, War, Lustmord, Erlauf, Arno, Blue, Oh
  Henri Cole hat fünf Gedichtsammlungen veröffentlicht, darunter jüngst »Middle Earth« (Mittelerde) im Verlag Farrar, Strauss & Giroux 2003, das 2004 mit dem Kingsley Tufts Poetry Award, einem renommier ten Lyrikpreis, ausgezeichnet wurde. Cole war in den Jahren 1993 bis 1999 Briggs-Copeland-Dozent an der Universität Harvard. Nach Lehrverpflichtungen an den Universitäten Yale, Columbia und Smith lehrt er heute am Bennington College. 2004 wurde er für den Pulitzerpreis nominiert, und der Kritiker Harold Bloom schätzt ihn als »einen zentralen Dichter seiner Generation«. Cole lebt in Boston,MA.

Der Titel der Ausstellung, TRUTH BEFORE POWER, stammt aus dem 1968 erschienenen Aufsatz »Estimates and Influence« (Einschätzungen und Einfluss) von Sherman Kent, einem der Gründer der CIA, der heute noch als einer ihrer einflussreichsten Denker gilt. Kent ist der Ansicht, dass unvoreingenommene intellektuelle Stringenz immer das oberste Gebot der Geheimdienstarbeit sein muss,wenn man verhindern will, dass sie ignoriert oder als parteiische Spekulation abgetan wird. »Ich glaube,« so sinniert Kent, »wenn wir im Geheimdienst eines Tages drei Wünsche frei hätten, dann wären es folgende: dass wir alles wissen, dass man unseren Äußerungen Glauben schenkt und dass wir so einen positiven Einfluss auf die Politik ausüben können.«
 
               
           
JENNY HOLZER   Johanniterkirche Feldkirch     14 I 06 I 04  - 05 I 09 I 2004        

Johanniterkirche Feldkirch
Jenny Holzer
President, 2004
Weißtanne mit eingebranntem Text
.
 

Als Pendant zu ihrer Installation im Foyer des Kunsthauses wird Jenny Holzer im Kirchenschiff der Johanniterkirche in Feldkirch einen riesigen Baum mit eingebranntem Text aufstellen. Der Text nimmt Bezug auf die Trajanssäule und windet sich – in der Kirche in englischer Sprache und im Kunsthaus-Foyer auf Deutsch – in Form einer Spirale die Bäume entlang. In der Johanniterkirche bekommt die Baumsäule einen zentralen Standort unter dem Deckenfresko von Florus Scheel an der Vierung von Kirchenschiff und Seitenkapellen. Der Baum wird inmitten der Ausgrabungen von Grabstätten stehen, abgestützt auf dem unebenen Erdboden der Kirche.

Die Installation von Jenny Holzer in der Johanniterkirche ist das jüngste Projekt der seit 2001 bestehenden Zusammenarbeit zwischen der Kirche und dem Kunsthaus Bregenz.

 
       
       
       
< zurück    
       
   
Haussponsor des Kunsthaus Bregenz



Sponsor der KUB Arena



Sponsor der KUB Arena